Persönlichkeitsrecht: Til Schweiger darf Kritiker-Post auf Facebook teilen

(2 Bewertungen, 4.00 von 5)

Eine Frau sagt einem Promi in einer privaten Messenger-Nachricht die Meinung. Der Star teilt den Post, inklusive Profilbild und Namen, in seinem öffentlichen Profil. Von den darauf folgenden Reaktionen abgeschreckt will die Absenderin den Eintrag löschen lassen. Doch ihr Antrag auf Erlass einer einstweiligen Verfügung wird abgewiesen.

Privater Schlagabtausch wird öffentlich

Wo genau sie angeblich gelesen habe, dass Til Schweiger beim Einzug der AfD in den Bundestag auswandern wolle, das wusste die 58-jährige Saarländerin nicht mehr so genau. Trotzdem nahm sie darauf Bezug, als sie dem Schauspieler und Regisseur kurz nach der Bundestagswahl über Facebook Messenger schrieb: „Sie wollten doch Deutschland verlassen. Warum lösen Sie Ihr Versprechen nicht ein. Ihr Demokratieverständnis und Ihr Wortschatz widern mich an. Mfg“

Schweiger, der in den sozialen Medien ganz gerne auch mal austeilt, schob den Post kurzerhand in sein öffentliches Profil, mitsamt der Antwort: „hey schnuffi...! date?! Nur wir beide?!“ [URL:https://www.facebook.com/TilSchweiger/photos/a.397162170414459.1073741825.18 7849168012428/1118699171594085/?type=3&theater]

Es dauerte nicht lange, bis die Webmedien bild-online und huffpost-online über den Dialog berichteten. Die Frau erntete einen privaten Shitstorm, erhielt sogar eine Morddrohung. Um ihre Nachricht aus dem Web zu beseitigen, ging sie vor Gericht.

Klägerin gibt selbst persönliche Informationen preis

Grundsätzlich stimmte der Richter am Landgericht Saarbrücken der Klägerin zu: Ihr Persönlichkeitsrecht wurde durch die Veröffentlichung der privaten Nachricht verletzt. Gleichzeitig müssten das Informationsinteresse und das Recht auf Meinungsfreiheit seitens des Schauspielers berücksichtigt werden. Die Frau habe für den Kontakt zu Schweiger ein soziales Medium gewählt, und ihre Meinung zu einer öffentlichen Debatte geäußert. Deshalb müsse sie sich auch der öffentlichen Kritik zum Thema stellen.

Den Ausschlag gab letztlich, dass die pensionierte Fremdsprachenkorrespondentin die Messenger-Konversation mit Schweiger selbst noch einmal geteilt hatte: in einem anderen Internetforum, in dem 25.000 angemeldete Nutzer mitlesen konnten. Ihren vollständigen Namen und ihren Wohnort hatte sie hier selbst für alle sichtbar gemacht.

Fazit

Das Veröffentlichen privater Kommunikation ist grundsätzlich unzulässig. Durch ihr Verhalten hat die Klägerin aber deutlich gemacht, dass sie sich gerne an der öffentlichen politischen Auseinandersetzung beteiligt, auch mit ihrem Klarnamen und Wohnort. Nach einer solchen „Selbstöffnung“, so der Richter, könne sie sich nicht mehr auf den Schutz der Privatsphäre berufen. Ob die Frau Revision einlegen wird, ist noch offen.

Anzeige
Sagen Sie uns Ihre Meinung zum Thema.
Diese Beiträge könnten Sie ebenfalls interessieren:
Weiterlesen...
OLG-Beschluss: Facebook darf Nutzer wegen Hassrede sperren Auch in der zweiten Instanz hat ein Gericht dem sozialen Medium das Recht zugestanden, Kommentare zu löschen und Mitglieder auszuschließen. Beschwert hatte sich...
Weiterlesen...
Datenschutz und Namenspflicht: Darf Facebook die Konten von Nutzern ohne „Klarnamen“ sperren? Soziale Netzwerke fragen von ihren Nutzern eine Reihe wesentlicher Daten ab. Facebook verlangt darunter auch die Angabe des vollständigen echten Namens bei de...
Weiterlesen...
Datenschutz: Facebook führt Privacy-Center ein Facebook macht es seinen Usern nach wie vor schwer, die eigenen Daten zu schützen. Das will das Social Network jetzt ändern, indem es ein neues Privacy-Center e...
Weiterlesen...
Untersagt: Datenschützer verbieten WhatsApp die Weitergabe von Kundendaten an Facebook Seit Anfang der Woche gibt WhatsApp die Daten seiner 35 Millionen Nutzer in Deutschland an den Mutterkonzern Facebook weiter. Und das, obwohl Kunden protestiere...
Weiterlesen...
Mobbing via Facebook: Welche rechtlichen Konsequenzen drohen Schülern? Mobbing ist nicht nur auf dem Schulhof ein Thema. Längst werden die Opfer im Internet mit beleidigenden Äußerungen konfrontiert. Das Verwaltungsgericht Köln mus...
Anzeige Datenschutz-Kit
Anzeige
Anzeige

Der eRecht24 Newsletter

Immer bestens informiert

Bleiben Sie mit unseren kostenlosen Updates zum Internetrecht auf dem neuesten Stand. Infos, Urteile, Checklisten, Sonderangebote.

Prüfen Sie, ob Ihre Widerrufsbelehrung aktuell ist.

Geben Sie die URL Ihrer Widerrufsbelehrung ein.
Beispiel Shop: http://www.shopxyz.de/widerruf.html
Beispiel eBay: http://www.ebay.de/usr/EBAYUSER

loading...
Jetzt Premium-Mitglied werden

Ab Heute gestalten Sie Ihre Website ohne Angst vor Abmahnwellen und ohne teuren Anwalt abmahnsicher.

Alle Videos, Live-Webinare, E-Books, Tools und zahlreiche Rabatte.

Jetzt Mitglied werden

Mehr Informationen zu eRecht24 Premium

Impressum-Generator

Keine Chance für Abmahner

Erstellen Sie kostenlos ein rechtssicheres Impressum für Ihre Website.

Jetzt Kostenlos Impressum generieren

Rechtsberatung vom Anwalt

Haben Sie ein konkretes rechtliches Problem? Dann wenden Sie sich bitte einen Anwalt. Auf unseren Seiten finden Sie zahlreiche allgemeine Informationen zum Internetrecht. Fundierte Rechtsberatung im Einzelfall kann allerdings nur ein spezialisierter Rechtsanwalt leisten.

Inhalte kostenlos übernehmen

Der eRecht24 Newsticker

kostenfreie aktuelle Inhalte zum Internetrecht

Individuell für Ihre Website angepasst!

 

SSL-Zertifikate

Steigern Sie das Vertrauen Ihrer Kunden. Für Betreiber von Onlineshops und kommerziellen Webseiten unabdingbar:

SSL-Verschlüsselung, SSL-Zertifikate und Trust-Logos

Rechnungen online erstellen

Erstellen Sie Ihre Rechnungen gemäß den Anforderungen des Finanzamts doch einfach online!

Mit easybill bequem ordnungsgemäße Rechnungen schreiben inkl. digitaler Signatur und Datenexport zum Steuerberater. Anforderungen an korrekte Rechnungen mit Mustern und Beispielen.

IT-Recht endlich verständlich

Autor Sören SiebertSören Siebert ist Rechtsanwalt mit Kanzleien in Berlin und Potsdam.

Er berät Unternehmer, Shops und Seitenbetreiber in allen Fragen des Rechts der neuen Medien.
www.kanzlei-siebert.de

Als Betreiber von eRecht24 ist er seit mehr als 15 Jahren auch als Internet-Unternehmer tätig. Deshalb finden Sie auf eRecht24 Tipps und Tricks eines spezialisierten Rechtsanwalts, aber verständlich und praxisnah erklärt.        

eRecht24 - Unsere praktischen Tools und hilfreichen Tutorials

mitgliederbereich teaser

Exklusiv für unsere Mitglieder

Alles was Webseitenbetreiber, Agenturen und Selbständige wirklich brauchen: Videos und E-Books, Musterverträge und Erstberatung, Tools und Live-Webinare.

Mehr Informationen

dsgvo teaser

DSGVO Schnellstarter-Paket

Das Datenschutzrecht ändert sich ab Mai 2018 vollständig. Sind Sie bereit für die DSGVO? Mit unserem Schnellstarter-Paket sichern Sie Ihre Webseite ab.

Jetzt absichern

webinar teaser

Online Schulung mit Rechtsanwalt Siebert

Die 7 häufigsten Abmahnfallen auf Webseiten und wie Sie diese schnell, einfach und ohne teuren Anwalt vermeiden. So haben Abmahner bei Ihnen keine Chance!

Mehr Details