WhatsApp: Weiterleiten von Nacktfotos verletzt Persönlichkeitsrecht

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Beim Teilen privater Aufnahmen in den sozialen Medien ist allergrößte Vorsicht geboten. Das gilt auch für das Verschicken per Messenger. Denn ist ein Bild erst einmal im Netz, lässt sich dessen Verbreitung kaum kontrollieren. Kommt es schließlich zu einer Verurteilung, hängt die Entschädigungszahlung auch davon ab, wer das Material hochgeladen hat.

Mit einem Tastendruck weiter verbreitet

Ob die Osnabrückerin die Aufnahmen versehentlich selbst verschickt hat oder ob sie auf anderem Wege auf den WhatsApp-Account ihrer früheren Freundin gelangt sind, konnte das Gericht nicht herausfinden. Klar war aber: Die Bilder, auf denen sie mit unbekleideten Brüsten und Genitalbereich zu sehen war, hatte die Frau selbst angefertigt. Sie war es auch, die die Aufnahmen erstmals in Umlauf brachte. Nach ihren Angaben waren die persönlichen Fotos nur für den damaligen Freund bestimmt. Trotzdem landeten sie in einer WhatsApp auch bei der früheren Bekannten. Die glaubte zwar, die Abgebildete erkannt zu haben, fragte aber zur Sicherheit noch einmal bei ihr nach. Doch die Urheberin verneinte, irgendetwas mit den Nacktbildern zu tun zu haben. Schließlich leitete die Empfängerin die WhatsApp an einen anderen Freund weiter.

500,- Euro Entschädigung für das Verbreiten von Nacktfotos?

Daraufhin allerdings wurde sie von der Herstellerin der intimen Fotos auf Unterlassung und Schadensersatz verklagt. Grundsätzlich stimmte das Landgericht Osnabrück (Az. 5 O 2907/16) der Klägerin in beiden Punkten zu. Denn mit dem unerlaubten Weitergeben der Aufnahmen seien ihr Recht am eigenen Bild sowie ihre Intimsphäre verletzt worden. Das gelte auch dann, wenn die Abgebildete nicht namentlich genannt worden sei. Trotzdem legte das Gericht die Entschädigungssumme nur auf 500,- Euro fest. Aus Sicht des Opfers zu wenig.

Eigener WhatsApp-Post mit ursächlich

Bei der Revision ging das Oberlandesgericht Oldenburg (Az. 13 U 70/17) genauer auf die Festsetzung der Entschädigung ein. Diese hänge einerseits von der Schwere der Beeinträchtigung und von der Nachhaltigkeit der Rufschädigung des Opfers ab. Berücksichtigt werden müsse andererseits aber auch der Grad des eigenen Verschuldens. Durch das Aufnehmen und Verschicken der Nacktfotos an ihren Freund habe die Frau selbst eine Ursache für die Verbreitung gesetzt. Gleichzeitig sei ihr Schaden wesentlich geringer, als wenn die Bilder für eine größere Zielgruppe ins Internet gestellt worden seien. Alles in allem sei die Entschädigungssumme von 500,- Euro somit angemessen.

Fazit:

Das Weitergeben von Nacktfotos verletzt in jedem Fall die Rechte der abgebildeten Person. Dabei spielt keine Rolle, ob der oder die Abgebildete persönlich bekannt ist oder namentlich genannt wird. Die Höhe der Entschädigung hängt in solchen Fällen aber auch davon ab, ob das Opfer die Veröffentlichung mit verursacht hat. Vor diesem Hintergrund sollte besonders gut überlegt werden, ob Fotos in Messengerdienste, Social Media oder auf Internetseiten hochgeladen werden.

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Kommentare  
Julia Rushmore
0 # Julia Rushmore 01.10.2018, 11:28 Uhr
sehr gute Anwendung, perfekt, um Ihre Freunde anzurufen, aber es gibt keine Spiele wie bei http://imoneyslots.com
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